Slovanský ostrov

Abends, kaum, dass sich nach dem Regenschauer die Sonne zeigt, belebt sich die Slawische Insel. Jogger umrunden sie, Besucher kehren in die Restaurants neben der Manés-Galerie oder auf der Terrasse des Žofín-Palastes ein, junge Menschen sitzen in kleinen Gruppen mit Bierdosen am Moldau-Ufer, am Bootsverleih dümpeln oldtimer- und schwanenförmige Tretboote, Kindergeschrei ertönt über dem Spielplatz und Latinomusik von der Wiese dahinter, wo sich Paare zum Salsakurs unter freiem Himmel versammeln.

Nur morgens ist es auf der Insel still.

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  1. Aus seinem Lyrikband HALTBAR BIS ENDE 1999, erschienen 1979. Memories are made of this (2015, I think): Das Wetter bewegt sich konstant um 20 Grad herum, der Leuchtturm ist nicht so entlegen, wie ich es am liebsten habe, ich kenne ihn seit meinem achten Lebensjahr. Die Insel ist mir so vertraut, überall Dejavues mit jüngeren Ausgaben meines Ichs, und all jenen, die lange fort sind, fast aus dem Sinn. Hier ist die Buchhandlung, in der ich Peter Rühmkorffs Gedichtband „Haltbar bis Ende 1999“ kaufte, dort ist das Cafe, deren Tortengrösse sich wohl seit den ersten Wallungen der Wirtschaftswunderzeit nicht verkleinert hat. Rumtorte, riesig, reine Nostalgie. Die Sandorntorte im Leiss. Pflaumenkuchenorgien. „Banana Split“ war in der alten Bundesrepublik mal so exotisch wie ein afrikanischer Klangtraum von Les Baxter in einem lang versunkenen Amerika. Der erste Stau auf der Fahrt in den Norden. Morgen der erste Sprung in die Wellen. Im Auto läuft „Eine Olive des Nichts“. Sancho liebt das Autofahren. Er träumt, wie ich herausfand, meistens in Farbe. Ein psychedelischer Hund. Ich würde mich jetzt gerne mit Ray Davies unterhalten. Ich bin träumendes Mitglied der „Village Green Preservation Society“. Es gibt einen kleinen Dschungel auf der Insel, mit Teestube. Die Dämmerung der Kindheit darf nicht verloren gehen.

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