Olšany

Gleich neben dem Einkaufszentrum Atrium Flora beginnt Prags größter Friedhof, der Olšanské hřbitovy. Würde man alle Wege ablaufen wollen, könnte man leicht Stunden hier verbringen. Bis zu zwei Millionen Menschen sollen auf diesem Gelände bestattet sein, darunter tschechische Berühmtheiten, wie Jan Palach, der sich 1969 aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings auf dem Wenzelsplatz verbrannte. Eine Grabplatte wird vollständig von Blumenkränzen verdeckt, genau wie der Name des hier Begrabenen. Unter den neueren Grabsteinen findet man viele aus schwarzem Granit, in dem ein Fotoporträt der Verstorbenen eingraviert ist. Die Urnen stehen separat in Nischenwänden mit Fenstern, zu den meisten hat man Fotos und Blumenschmuck gelegt, manchmal auch bemalte Ostereier oder Kuscheltiere.

Über eine Straße gelangt man vom Olšany Friedhof zum Neuen Jüdischen Friedhof. Hier schmücken statt Blumen einheitlich Efeuranken die Gräber. Ein Schild nahe am Eingang weist den Weg zu Kafkas Grab – hin und wieder verirren sich Touristen hierher. Auf einen Grabstein die zu einem Friedhof wunderbar passenden Namen von H. Traurig und seiner Ehefrau M. Traurigová entdeckt – im Tschechischen werden die Endungen der Nachnamen prinzipiell geschlechtlich angeglichen. Auch ihre namentlichen Gegenspieler der Familien Lustig/Lustigová und Fröhlich/Fröhlichová sind hier begraben. Am Gemeinschaftsgrab von Kafka und seinen Eltern kein Efeu, sondern ein Kieselbeet. Eine Gedenktafel erinnert an die deportierten Schwestern Gabriele, Valerie und Ottilie. Darum gruppiert: ein paar Steine, Blumen, Tannenzapfen. Und auf dem Grabstein, neben dem Namen Dr. Franz Kafka, ein grün-glitzernder Schmetterlingsaufkleber.

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