DOX

Im DOX, Prags Zentrum für zeitgenössische Kunst, verläuft man sich leicht und landet, statt im nächsten Ausstellungsraum, in einer Sackgasse oder in der Museumsbibliothek. Überhaupt sind viele Räume nicht unbedingt dort, wo man sie erwartet: Im Ausstellungsflur eines der oberen Stockwerke stößt man auf die Toiletten, und zwischen zwei Ausstellungsräumen durchquert man das Museumscafé. Das Gebäude weiß um sein Verwirrpotenzial. The right way, the wrong way, the only way, steht auf Pfeilen, die alle in dieselbe Richtung zeigen. Are you lost? You first need to get lost to find yourself, auf Textpanelen an den Wänden.

Und irgendwann landet man auf der Dachterrasse und vor dem Gulliver, einer zeppelinförmigen Konstruktion aus Holz und Stahl, in der regelmäßig Filmvorführungen und andere Veranstaltungen stattfinden. Und während der Blick vom Gulliver auf eine Skulptur von Karel Nepraš schweift, die den Titel Family ready for Departure trägt und auf einem Bahngleis rollende Figuren zeigt, und von dort aus auf das Gebäude gegenüber mit seinen gläsernen Balkonen, die Fahrräder, Pflanzentöpfe, Sitzmöbel erkennen lassen, hat man den Eindruck, diese Balkone wären genauso Teil der Ausstellung.

Als wären diese gläsernen Balkone, die Fahrräder, Pflanzentöpfe, Sitzmöbel erkennen lassen, genauso Teil der Ausstellung

 

Später, vor dem Eingang zur U-Bahnstation Nádraží Holešovice eine Arbeit aus der Reihe Street Ghosts von Paolo Cirio wiederentdeckt. Der papiernen Frau an der Wand fehlen nun schon Teile einer Ferse und des Rückens. Ob sie durch den Filter des Kameraauges auf  Google Street View dennoch menschlich wirkt? Doch als ich sie ein paar Tage später dort suche, finde ich an ihrer Stelle nur noch Graffiti-Tags.

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